Alles ist im Werden
Weil ich spüren wollte, dass Veränderung nicht plötzlich geschieht, sondern Schicht für Schicht, Häutung für Häutung, manchmal schmerzhaft, manchmal unscheinbar, manchmal kaum auszuhalten.
Nelly Sachs begleitet mich seit Jahren. Ihre Worte sind schwer, voller Verlust, voller Schatten. Und gerade deshalb hat mich dieses eine Zitat getroffen wie ein Lichtstrahl durch eine geschlossene Tür. „Alles ist im Werden, zwinkert der Schmetterling.“ Ein Satz, der fast nicht zu ihr passt — und gerade deshalb so kostbar ist.
Ich wollte diesen Satz in Musik verwandeln. Ich wollte zeigen, dass selbst jemand, der das Schlimmste erlebt hat, noch einen Funken Wandlung sieht. Und dass dieser Funke reicht, um weiterzugehen.
Die Raupe, die Puppe, der Schmetterling — das ist nicht nur Natur. Das ist jeder Mensch, der versucht, sich aus etwas Dunklem herauszuwinden. Jeder, der noch nicht weiß, ob er fliegen kann, aber trotzdem weiter frisst, weiter wächst, weiter wartet.
Ich habe den Song geschrieben, weil ich mich selbst daran erinnern musste, dass Verwandlung Zeit braucht. Dass sie unscheinbar beginnt. Dass sie manchmal am Ende eines Blattes hängt, still, verletzlich, fast unsichtbar. Und dass sie trotzdem geschieht.
Die „Schmetterlinge in deinem Bauch“ sind für mich nicht nur ein romantisches Bild. Sie sind das Zittern vor dem Neuen. Das Kribbeln, wenn man spürt, dass etwas kommt, das größer ist als man selbst. Sie sind die Angst und die Vorfreude zugleich.
Am Ende fliege ich — nicht triumphal, nicht als Heldin, sondern einfach als jemand, der es geschafft hat, nicht stehenzubleiben. Der sich gehäutet hat. Der weitergegangen ist. Der sich erlaubt, leicht zu werden, obwohl die Welt schwer ist.
Darum gibt es diesen Song.
